Donnerstag, 19. Oktober 2017

Herbstzenit: Crozets de Savoie

Wenn die Farben im Herbst nicht mehr leuchtender werden können, genau dann zauselt der Wind die Laubkronen mit seinen ungestümen Händen dass die Blätter nur so stäuben. Schon wieder kommt mir ein literarisches Stilmittel in den Sinn, der Chiasmus (Überkreuzstellung) mit seinem *bittersüßen Schmerz* den niemand besser repräsentieren könnte wie der Herbst.

Die deutschen Expressionisten hätten sich dabei wohl mehr auf den Teil mit dem Schmerz konzentriert und in diesem goldenen Oktober bereits nach der Fäulnis und Verwesung geschnuppert, und die glühenden Blätter nur als lumpige Verkleidung für die nahenden, nackigen Baumgerippe gesehen. Diese morbide Sehnsucht und die Lust am Vergehen ist nicht meines - aber was weiß ich vom ersten Weltkrieg, der die Stimmung der Expressionisten Anfang des letzten Jahrhunderts so trübte.

Überhaupt: viele stimmt die Vergänglichkeit des Herbstes melancholisch. Grundeigentlich sollten wir es uns in diesem Gefühl heimelig machen - zumindest wenn wir Buddhas Worte nicht in den Wind schlagen. Der Buddhismus gründet in der Erfahrung der Vergänglichkeit aller Wesen. Alles, was wir Leben oder Dasein nennen, befindet sich in beständigem Fluß, unterliegt einem ewigen Wandel von Werden und Vergehen. Sich festzuhalten an dieser Vergänglichkeit geht mit Leiden einher. 

Sagt mein alltime-Favorite Goehte ja auch nicht anders: *Und so lange du das nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde*. Reden wir dabei nicht von Prozessen, denen wir genauso aus dem Weg gehen wollen wie dem Leiden? Der Bequemlichkeit und den Gewohnheiten zuliebe? Auch weil inneres Wachstum mit Wachstumsschmerzen einher gehen. Und könnt ihr euch noch an die Wachstumsschmerzen in der Kindheit erinnern?

Christian Morgenstern meinte dazu: *Höher als alles Vielwissen stelle ich die Selbstkontrolle, die absolute Skepsis gegen sich selbst.* Streng mit sich sein, sich ins Gebet zu nehmen, abends im Bett liegen und das Gewissen überprüfen, seine Gedanken, seine Meinungen, seine Taten genauer anschauen, sich versuchen zu verorten und dabei seine eigene Position und seinen Willen finden, die eigenen Grenzen ausloten. Erst dabei findet sich Akzeptanz samt ihrem Gegenpart. Und das alles ohne Selbstkasteiung. Wer findet heute noch Zeit für soetwas? Aber wie orientiert man sich sonst? Vielleicht bietet der Herbst Muse?


*Da schau' her* dachte ich mir, als mein Blick bei einer Packung Buchweizen-Nudeln aus dem Savoie - die höchstgelegene Landschaft Europas - hängenblieb. Wie spannend. Und bestimmt sehr gut selbst zu machen. Nachdem ich ein Mal zu oft mit französischen Rezepten auf die Schnauze gefallen bin, orientierte ich mich im deutschen Netz und wurde fündig: aus diesem Sarah Wiener Rezept und Aurélies Vorlage baute ich mir meine eigenen Crozets.

Zutaten 3-4P:

Crozets-Teig*
140g Buchweizenmehl
40g Weizenmehl (m: T65)
40g Hartweizenmehl
1 Ei
Salz
ca. 80ml heißes Wasser

Sauce
80g Beaufort-Käse
1 EL Crème fraîche
1 Stich Butter
1 guter Schuß Noilly Prat
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Crozets einen homogenen, schwach klebenden Teig verkneten und 1 Stunde im Kühlschrank rasten lassen.

Den Teig auwellen (m: mit meiner Nudelmaschine Marcato - nicht zu dünn!) Dann zu Tagliatelle schneiden (m: ebenfalls mit der Nudelmaschine). Die Nudelstreifen 1 Stunde trocknen lassen. Dann die Teigstreifen  mit Hilfe eines großen Messers zu Crozets schneiden. Läßt man hier die Crozets nun vollständig trocknen, sind sie in einer Dose für mehrere Tage gut aufzubewahren).

Die Crozets in reichlich Salzwasser 20min kochen lassen.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man schüttet die Crozets ab, schreckt sie in kaltem Wasser ab und brät sie in Fett in einer Pfanne knusprig - und läßt dann Käse und alle restlichen Zutaten für die Käsesauce in die Pfanne zu den Crozets schmelzen. Oder man bereitet die Sauce getrennt, mischt die abgeschütteten Crozets unter und schiebt die Pfanne anschließend wie ein Gratin kurz in den Ofen.

So oder so schön, den die kleinen Buchweizen-Nudeln haben alle Voraussetzung schön knusprig zu werden. Ich habe mich hier für die Gratin-Variante entschieden.

*Anmerkung m: Das Machen der Crozets zieht sich ob der Warte/Trockenzeiten durchaus in die Länge. Nimmt man noch Kochzeit und Zeit zum Gratinieren hinzu, dann sogar sehr lange. Daher bietet es sich an, die Crozets bereits am Tag/ Abend zuvor zuzubereiten. 

nachmittags auf dem Heimweg zu Fuße des Hausbergs

Montag, 16. Oktober 2017

Ommm-Shanti-Brötchen zum WBD

Bei Brötchen gilt mein Credo: je dunkler und kräftiger umso besser dabei so locker und leicht wie möglich. Die Umsetzung davon hat dieses Mal besonders gut hingehauen (eigentlich gilt: je helleres Mehl umso luftiger) - ich war ja kurz davor, sie deshalb Oxymoron-Brötchen zu nennen. Ihr wißt schon, dieses weißer Rappe-Dingens, weil ich hier nahezu zwei Gegensätze ineinander verschlungen habe wie eine echte Koriphäe! Hey, volle! Doch, ich bin ja oft auch am Kritteln mit meiner Backware aber diese fluffigen Dinkelbrötchen mit einer Prise Roggen, etwas Kefir und Chia, die lobe ich ganz schamlos.

World Bread Day, October 16, 2017Dann habe ich mich umentschieden. Oxymoron-Brötchen, dass kann sich am Schluß doch kein Mensch merken und meine brillianten Brötchen wären in der Senke verschwunden. Also sollte der Chia namensgebend dienen. Hä? Wie jetzt? Fragt ihr euch. Gelle, und so ein bißchen verklausuliert scheint es wohl. Aber ihr müßt die ganze Geschichte kennen.

Anfangs nämlich, als der neue Stern *Superfood Chia* auf einen Schlag nicht nur in aller Munde war, sondern gleichzeitig in jedem Bioladen-Regal stand, las ich mit den Augen drüberhuschend  - und Mach der Gewohnheit - einfach immer Chai. Eben wie der Gewürze-Tee. Typischer Fall von Buchstabendreher. Aber, habe ich es mir dann schön zurecht gelegt, dass doch so oder so - egal wo das i steht - beide diese gewisse, exotische Shanti-Athmo ausdünsten. Jetzt kommt - das findet ihr doch auch!?! Und wenn diese Brötchen jetzt nicht ORIGINAL die gleiche Wirkung haben, dann fresse ich einen Besenstiel. Nicht.

Brot-und Brötchenrezepte, die mir Freude machen, hebe ich mir gerne für den World Bread Day auf - ein Event, das Zorra jährlich ausrichtet und an dem ich seit Bloggründung teilnehme. Weil diese Rezepte alle irgendwie besonders sind, sei es die Miche von dem Freibäcker Arnd Erbel oder die Kastanienbrötchen - um nur zwei rauszupicken - sie lohnen sich alle!

Zutaten 9 Brötchen - ca.14 Stunden Reifezeit:

Sauerteig:
100g Dinkel 1050
100g Wasser
10g W-ASG (aufgefrischt)

Chia - ca. 10 Stunden quellen lassen:
35g Chia-Samen
100g Wasser

Hauptteig:
Sauerteig
200g Dinkel-Vollkorn
60g Roggen-Vollkorn
200g Dinkel 630
70g Dinkel 1050
14g Salz
6g Hefe
200g Kefir
ca. 150g Wasser (evt. plus bis 70ml) 

Mohn zum Wälzen

Zubereitung:

Sauerteig und Chiasamen rechtzeitig ansetzen.

Alle Zutaten (außer etwa 50g Wasser) zusammenfügen und ca. 3min kneten. 15min ruhen lassen und weitere 3min kneten, dabei das restliche Wasser schluckweise zufügen. Den Teig in eine geölte Schüssel umfüllen, direkt 1x falten - 30min Teigruhe - 2.Mal falten - 30min Teigruhe - 3. Mal falten - 30min Teigruhe. 

Zu 9 Bröchen à etwa 140g abwiegen und je nach Wunsch formen. Die Oberfläche anfeuchten und in Mohn wälzen. Die Brötchen abdecken 10-15min entspannen lassen und dann für ca. 5 Stunden im Kühlschrank parken.

Den Backofen auf 240° vorheizen, mit Dampf einschießen, nach 10min den Dampf ablassen und die Brötchen insgesamt ca. 22-25min backen.

*Anmerkung m: ich habe den Teig während der Teigruhe schön ins Warme gestellt, so dass der Teig bereits leicht angesprungen ist, bevor die Brötchen geformt werden.



Alle World-Bread-Day-Brot-und-Brötchen-Rezepte auf einen Schlag:


http://salzkorn.blogspot.fr/2015/10/vielfaltige-landbrotchen-mit.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2011/10/waldspaziergang-am-world-bread-day.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2016/10/was-bleibt-bauernbrot-mit-kartoffeln.html
http://salzkorn.blogspot.fr/2014/10/das-max-und-moritz-brot-oder-die-miche.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2012/10/furs-urige-wohlempfinden-einkornbrot.html












Samstag, 14. Oktober 2017

freigeistiges Sonntagsessen


Wie wir durch Iran reisten, kreuzte unseren Weg eine kleine, deutsche Reisegruppe, die zum wiederholten Male versuchte, den Zarathustrikern nachzuspüren - und gerade rund um Yazd gibt es dort tatsächlich noch einige Spuren zu entdecken. Ich kannte bis dato lediglich Nietzsches Buchtitel *Also sprach Zarathustra*, der durch diese Anregung umgehend auf meiner Leseliste landete.

Im Zuge wiederum dessen, bin ich über *Die 10 Gebote des Freigeistes* nach Nietzsche gestolpert. *Freigeist*, oh ha, das ist ein Wort, bei dem ich IMMER aufhorche, denn die Freiheit, die ich meine, die brauche ich zum Leben. Hier Nietzsches Vorstellung in 10 Punkten:


Du sollst Völker weder lieben noch hassen
Du sollst keine Politik betreiben
Du sollst nicht reich und kein Bettler sein
Du sollst den Berühmten und Einflussreichen aus dem Wege gehen
Du sollst  dein Weib aus einem anderen Volke als dem eigenen nehmen
Du sollst deine Kinder durch deine Freunde erziehen lassen
Du sollst dich keiner Zermonie der Kirche unterwerfen
Du sollst ein Vergehen nicht bereuen, sondern seinetwegen eine Guttat mehr tun
Du sollst, um die Wahrheit sagen zu können, das Exil vorziehen.
Du sollst die Welt gegen dich und dich gegen die Welt gewähren lassen.


Zwei seiner Punkte leuchteten mir nicht direkt ein. Ich suchte den Austausch mit dem Habib - und konnte dann erst nachvollziehen, was Nietzsche meint. Wie geht es euch? Findet ihr seine Thesen richtig?

So dazu serviere ich euch ein richtiges badisches Sonntagsessen: Spätzle mit Sauce. Dazu das Brombeer-Pflaumen-Chutney - ein Schmaus, ich habe mir die Finger nur so abgeschleckt! 

By the way paßt als Zubereitungshilfe ein Tipp eines Feriengastes (coucou Jens) für alle, die handgeschabte Spätzle mögen - nur nicht selbst schaben wollen: dafür wurde ein ähnliches Modell wie für den klassischen Spätzlehobel gebastelt, nur dass hier die Öffnungen unterschiedlich groß sind und die Spätzle einen *handgeschabten Charakter* erhalten.  Ich brauche sowas nicht, aber ich bin ja auch in Baden groß geworden...


Zutaten:

Spätzle
200g Mehl (m: D630)
3 Eier
ca. 40ml Wasser
1 EL Thymianblättchen, fein gehackt
Salz
(optional: 1 TL braune Butterpartikel)*

200g Champignons (oder Steinpilze)*
100g Pfifferlinge
4 getrocknete Tomaten
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1 handvoll Zuckererbsen
Butter

1 EL Butter
1 EL Semmelbrösel
1 TL Thymianblättchen
Salz, Pfeffer

optional dazu: dieses Chutney

Zubereitung:

Die Zutaten für die Spätzle zu einem klebrigen, zähen Teig vermengen und mit einem Holzlöffel so lange gegen den Schüsselrand schlagen, bis der Teig Blasen wirft.

Die Tomaten ca. 10min in kochendem Wasser einweichen. Die Tomaten abtropfen lassen und klein schneiden. Von den Zuckererbsen die Spitzen kappen, entfädeln und in Streifen schneiden. Kurz blanchieren - in kochendes Wasser werfen, mit kaltem abschrecken - und zur Seite stellen. Die Pilze putzen und je nach Größe und Sorte in Scheiben/ mundgerechte Stücke schneiden. Die Schalotte und den Knoblauch fein würfeln.

Die Pilze in der Butter zusammen mit den Schalotten und den Tomaten anbraten. Knoblauch zufügen und ebenfalls kurz mitrösten. Den Veggie-Fond anschütten und bei kleiner Flamme ca. 10min köcheln lassen - wer mag, bindet die Sauce mit einer kleinen Roux. Abschmecken mit Piment, Salz, Pfeffer und Balsamiko-Reduktion. 

Parallel dazu reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Spätzle mit Hilfe einer Späzlespresse/ Spätzlehobel ins Wasser drücken. Warten bis sie an die Wasseroberfläche steigen, abschöpfen und warm stellen.

Kurz vor dem Servieren die Zuckerschoten in der Sauce warm ziehen lassen und außerdem den Butter-Semmelbrösel-Schmelz zubereiten. Dafür die Semmelbrösel gemeinsam mit dem Thymian so lange rösten, bis sie beginnt zu schäumen - salzen und pfeffern nicht Vergessen.

Die Sauce in die Teller füllen, die Spätzle auf die Sauce setzen und mit dem Semmelbrösel-Schmelz toppen. Das Chutney als Begleitung dazu servieren.

*Anmerkung m: Ich verwendete die Pilze, wie ich sie gerade hatte - ihr könnt auch nur Pfifferlinge nehmen oder sie auch mit Steinpilzen kombinieren.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

12 von 12 - Oktober 2017

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1 - Jeder Morgen zuhause beginnt mit dem Blick ins Tal - einfach jeder. Dafür erspare ich euch heute das obligatorische Porridge-Bild

2 - Früh, schon vor Sonnenaufgang (wobei der ja nun erst um 8 Uhr ist) wird der Brötchenteig angesetzt

3 - Wir sind auf dem Weg zur Post - Zwiebellook paßt zu den Temperaturen -

4 - und die Post liegt praktischerweise neben einem Café - zweites, französisches Frühstück bei durchgelockerten Kneipern, die gerade von drei Wochen Urlaub zurück gekommen sind

5 - Von ihnen stammt auch das Schild mit dem Warnhinweis: *Alle unbeaufsichtigten Kinder werden an den Zirkus verkauft* - ja, Südfrankreich ist ein hartes Pflaster!

6 - Il est beau, l'automne!

7 - auf dem Heimweg: Fotostop. Hier wohne ich: direkt über dem gelben Baum!

8 - Die ewig anhaltende Trockenheit macht nicht so richtig Herbststimmung, aber ich habe trotzdem Lust auf ein richtiges Herbstessen: Linsen mit Spätzle - in der Karotten-Variante. Njami!

9 - Bekannte, liebe Feriengäste haben sich kurzfristig angekündigt - ich fange an, ihnen *Himmelsnah* zu richten

10 - Ich erinnere mich nicht, dass wir je so lange süße Tomaten ernten konnten - draußen, nicht im Treibhaus. Gestern habe ich sie wieder durchgegossen und sie reifen nach wie vor formidable!

11 - dann werden die Brötchen in den Ofen geschoben - dazu in Kürze mehr...

12 - nun noch auf die Matte. Warum ich lange ein Aber gegen Yoga hatte und nun nicht mehr, auch dazu in Bälde mehr als eine Zeile...


Viele andere, die in 12 Bildern jeweils am Zwölften symbolisch einen ganzen Monat zusammenfassen wie immer bei Mme Kännchen!

Dienstag, 10. Oktober 2017

Apfelmus-Joghurt-Gugelhupf - Gugl total für Zorra und eine Prise Nostalgie


Ganz zu Beginn meiner Foodblog-Entdeckung da war die deutschsprachige Szene noch so übersichtlich wie ein Dorf: zählbare Mitglieder des gleichen Vereins, die sich regelmäßig bei einem Event von Zorra trafen und auch die Rezepte hüpften noch viel mehr hin und her zwischen den Blogs wie heute.

Blog-Event CXXXV - Gugelhupf (Einsendeschluss 15. Oktober 2017)Dadurch, dass ich mich nicht in der Fächerstadt der Social-Media zeige, bleibe ich außerhalb der Community. Und so fühle ich mich mehr als Blogleserin mit dieser Szene verbunden wie als Foodbloggerin. Ich habe es ja schon oft erzählt: dank diesen Foodies lernte ich erst richtig kochen. Ihre Rezepte waren für mich als blutiger Anfänger verläßlicher und gelingsicherer denn alle Kochbücher dieser Welt. Und der Geist, der über allem schwebte, verhieß: wenn ich das so daheim hinbekomme, dann du auch

Außerdem hatte ich den Eindruck, dass alles ganz bodenständig zuging: ganz normale Menschen werkelten in ganz normalen Küchen und ließen in den Topf und auf den Eßtisch gucken. Nicht wie heute, wo allerortens professionelle Foodfotographen, Web- oder Kommunikationsdesigner zeigen, was möglich ist, wenn man das mal RICHITIG angeht. Bref, ohne übersteigerten Ehrgeiz. Wobei es solche ja auch noch gibt - so ist es ja nich.  Aber eine Prise Nostalgie ist heute dabei, wenn ich zurückschaue, denn mir fehlen einige von denen auf dem großen Ozean, die die erste Welle der Foodbloggerei noch so richtig lässig gesurft sind. Schön, dass meine Säulenfiguren weiterhin stehen: Petra und Robert. Gut, Nicky bloggt wenigstens noch selten, aber wenn Zorra mal den Kochlöffel zur Seite legen sollte... also das ist für mich unvorstellbar. 

Die bloggt wirklich schon IMMER. Sogar schon zu Zeiten als die *Influencer* noch gar keine Gesichter hatten. Herje, fand ich das spannend, endlich mal ein Foto von Zorra zu sehen. Ich hatte sie mir ja zugegebenermaßen ein bißchen wilder vorgestellt... alleine des Namens wegen. Und das Zusammentreffen in echt steht nach wie vor aus - ich hoffe auf die Zukunft. Mittlerweile muß man wohl sagen, dass Zorra eine deutlich höher aufgerüstete Küche aufzuweisen hat wie Ottilie Normalinski - aber sowas kommt von sowas, stimmts Zorra?

Absolute Ehrensache an dem Blogevent anläßlich des 13. Geburtstages von *1 x umrühren - Kochtopf* von Zorra teilzunehmen. Herzlichen Glückwunsch, liebe Zorra zu deinem dir treu bleibenden, unbeirrbaren und unverwechselbaren Stil! Zorra wünscht sich Gugl-Rezepte. Eine gute Idee, denn Gugelhupfe finde ich so grundsolide und alltagstauglich wie ich seit jeher Foodblogger-Rezepte am allerliebsten mag. Ihr wißt, für mich darf ein gelungener Rührkuchen gerne so einen Speckrand haben - grundeigentlich ein Backfehler. Ist die Konsistenz jedoch durchgehend so, dann spricht man von Brownie. Und dieser Apfelmus-Joghurt-Gugelhupf fühlt sich wohl mehr wie ein Brownie denn wie ein lockerer-trockener Rührkuchen. Er wird herrlich gatschig. Zwei Mal buk ich ihn bereits: beim ersten Mal mit meinem Ofenapfelmus heute mit der Birnenvariante davon.

Zutaten 1 Gugelhupf-Form:

340g Mehl (m: T55)
50g gemahlene Mandeln (m: geschälte)
2 1/2 TL Weinstein-Backpulver
3/4 TL Backpulver
3 Eier
180g Butter, weich
280g Zucker (m: Rohrzucker)*
1 Pr Salz
1/2 TL Vanillepulver
150g Joghurt
50g Crème fraîche
(optional: 2 EL Calvados)

Zubereitung:

Die Gugelhupf-Form buttern und mit Mehl bestäuben.

Den Backofen auf 180° (O/U-Hitze) vorheizen.

Mehl, Mandeln, Weinstein-Backpu und Natron miteinander vermengen

Die Butter zusammen mit dem Zucker, Vanille und der Prise Salz schaumig aufschlagen bis die Butter aufhellt. Ein Ei nach dem anderen unterrühren - jeweils 1 min schlagen.

Apfelmus (Birnenmus), Joghurt und Crème zufügen und homogen mit der Butter-Zucker-Mischung verrühren. Ebenso den Calvados.

Auf drei Mal die Mehl-Mischung anschütten und sorgfältig verqurilen.

Auf die zweite Schiene von unten in den Backofen schieben und ca. 60min backen (Stäbchenprobe). Den Gugl 10-15min in der Form abkühlen lassen und dann auf ein Kuchengitter stürzen. Abekühlt mit Puderzucker bestäuben.

*Anmerkung m: Ich verwendete mein Ofen-Birnenmus mit Kardamom - das ließ ich gut eine halbe Stunde im Sieb abtropfen/ beim Ofen-Apfelmus ist das nicht nötig, denn das bekommt im Ofen eine deutlich festere Konsistenz

ACHTUNG: Bei dieser Art von Gugl mit Joghurt ist es wie bei diesem Gugl wichtig, dass die Butter gut weich ist und sorgfältig aufgeschlagen wird

Für uns sind beim nächsten Mal 250g Zucker ausreichend.

Inspiration: Schokohimmel

Zur Zorras Feier suchte ich all meine Lieblingsgugl aus meinen vergangenen Jahren heraus. Den mit Rotwein und den mit Kaffee mag ich ja besonders...



http://salzkorn.blogspot.fr/2013/01/kaffeekuchen-oder-kaffee-und-kuchen.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2015/04/klarschiff-nussgugel-mit-blaubeeren-und.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2013/04/irgendwie-80er-gepimter-evergreen.html
http://salzkorn.blogspot.fr/2014/02/eingeschneiter-walnussgugl.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2017/01/over-top-ubertrumpfter-blog-buster.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2017/06/frei-sein-gugelhupf-mit-joghurt-und.html
http://salzkorn.blogspot.fr/2016/04/im-vergleich-eierlikor-kirsch-gugelhupf.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2016/11/leichtes-warm-up-spekulatius.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2013/11/blogbuster-der-klassiker-unter-den.html


Sonntag, 8. Oktober 2017

Shinrin Yoku - Steinpilze mit Röst-Zwiebel-Kartoffel-Pü und Rotbarbe


Erstaunliches bringt die Wissenschaft zu Tage: ein Spaziergang durch den Wald ist heute nicht länger ein Spaziergang durch den Wald, nennt man es *Waldbaden* dann ist es Medizin. Regelmäßige Ausflüge in die Natur haben nachweislich positive Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit. Japanische Ärzte benennen diesen Effekt mit einem eigenen Wort: Shinrin Yoku, eben mit *Waldbaden* oder auch *die Waldatmosphäre einatmen* zu übersetzen.

Soso, mit gesundem Menschenverstand sollte man von ganz alleine merken, wie wohltuend ein solches Eintauchen in die Natur ist - da könnte man eigentlich auch so darauf kommen. Kennen wir doch alle, oder, wie es sich anfühlt auf weichem, sandigen Böden unter Bäumen mit federnden Schritten durchzuhüpfen, durch Laub zu schlurfen und mit den Beinen das abgeworfene Blätterkleid in alle Luftrichtungen zu wirbeln - zeitlos super! Aber gut, nun ist es also erwiesen: ein Spaziergang durch den Wald beruhigt, entspannt bereits nach 20 Minuten zahlreiche Muskeln im Körper, stärkt die Gesundheit und beugt Krankheiten vor. In Japan setzt man Bruder Wald  gerne als Sanitäter ein bei Behandlungen von Angstzuständen und Depressionen. Öfters mal durchatmen in der Natur kann also wirklich nicht schaden. Sensationen gehen anders, aber wie habe ich die Tage so schön in Worte gefaßt gelesen von - mal wieder - the one and only Goehte:
Die Wahrheit ist ein simples Ding,
die jeder leicht begreifen kann.
Allein sie scheint euch zu gering
und sie befriedigt nicht denn Wundermann.

Fette Beute für alle Vegetarier bietet der Wald gerade an mit dem Kaiser unter den Pilzen, den Steinpilzen. Da ich meine Naturdosis ja bereits intus habe, sobald ich vor die Tür trete, habe ich es mir ganz einfach gemacht: ich habe wieder auf dem Markt zugeschlagen. Zu meiner Überraschung hatte ich Glück mit meinen Exemplaren. Ich hätte ja vermutet, sie sind wurmstichig wie meine Äpfel dieses Jahr, aber nein, makellose Kerlchen und eine wahre Freude!

Zutaten 2P:

Pü:
400g Kartoffeln
2 rote Zwiebeln
Butter
Sahne
Milch
Salz, Pfeffer
Zucker
Muskatnussabrieb
1 TL Thymian-Blättchen

250g Steinpilze
1 EL Petersilie, fein gehackt
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
Butter
Salz, Pfeffer

4 filets de rouge barbe
Mehl
Salz, Pfeffer
Olivenöl

Zubereitung:

Die Kartoffeln schälen, grob würfeln und in Salzwasser aufsetzen. Weich garen, abschütten und gut abtropfen lassen. Die Kartoffeln fein zerstampfen (oder durch die Kartoffelpresse drücken), Milch und Sahne anschütten und mit dem Schneebesen und mit Kraft fein und schlonzig rühren. Dabei salzen, pfeffern und mit Muskat würzen. Warm stellen

Parallel dazu die Zwiebeln schälen, halbieren und in feine Streifen schneiden. In etwas Butter und mit viel Liebe und Geduld goldrotbraun rösten - dabei mit den Thymian-Blättchen würzen, Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker. Erst kurz vor dem Servieren unter das Pü ziehen und wieder erwärmen. Nochmals abschmecken.

Die Pilze putzen und in Schieben schneiden. Die Pilzschieben portionsweise in einer heißen Pfanne ohne Fett braten und zur Seite stellen. Butter zusammen mit dem feingehackten Knoblauch und der Petersilie schmelzen lassen, darin die Pilze warm schwenken.

Den Fisch auf Schuppen und Gräten kontrollieren, abspülen, trocken tupfen, salzen, pfeffern, leicht mehlieren. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Die Filets auf der Hautseite zuerst etwa 30 Sekunden braten, dann wenden und in der warmen Pfanne 2-3 Minuten ziehen lassen.

Das Pü mit den Pilzen und den Fischfilets servieren.


Laufen euch gerade auch solche Bilderbuch-Steinpilze über den Weg? Dann kann ich hier aus dem Fundus noch empfehlen Steinpilze mit Pici, mit Kürbis-Gnocchi, mit Petersilienwurzel-Pü, mit Pasta und Ente, mit Kürbis-Muffin und als Steinpilzkuchen auf Kartoffelluftkissen (aus den allerersten Anfängen des Bloggens, aber selbst wenn ich über die Optik knirsche, das Rezept ist top)

Freitag, 6. Oktober 2017

Was schön war #3


Schon seit unserer Rückkehr aus Iran wartet diese kleine Begebenheit auf die Veröffentlichung. Sie paßt hervorragend in die Rubrik *Was schön war* ausgehend von Maximilian und Anke - zu denen ich bereits diese und jene Anekdote beigetragen habe.



Der Habib öffnete die Tür zu einem kleinen Barbier-Geschäft. Der Herr Coiffeur ist hochgewachsen und dünn und trägt eine Diego-Maradona-Gedächtnisfrisur: viel Fokuhila, viel Locke und noch mehr Gel. Selbst das Goldkettchen um den Hals fehlte nicht. Ich bin erleichtert, dass sich der Habib dort nur rasieren lassen will. Wer weiß, mit welchem Haarschnitt ich ihn anschließend wieder in Empfang genommen hätte...

Ich wollte währenddessen in Shiraz ein paar Besorgungen machen: drei-vier Äpfel, vielleicht einen Granatapfelsaft trinken, aber ganz bestimmt wieder einen Schwung von diesen sensationellen Pistazien - best ever. Auf breiten Gehwegen lief ich an Einzelhandelsläden vorbei, die sich wie Perlen einer Kette aneinander reihen und die so unzählig sind wie Sand am Meer. Das eint - zusammen mit einem irren Auto-Verkehr und vielen einkaufenden Menschen - alle iranischen Stadtbilder. Auch, by the way, dass nirgendwo Obdachlose und Penner zu sehen sind.

Auf einmal gleicht sich meinen Schritten ein junger Iraner an. Er hält dabei jedoch eine gute Armlänge Abstand. Im Gleichtakt laufen wir nebeneinander her. *Hello Misses*, sagt er ohne mich richtig anzusehen. *Hello Misses? Wasn das?*, denke ich und drehe mich zu ihm. Er hat eine Einkaufstüte in der Hand. *Where are you from?* *Ach so, die Nummer* denke ich (wir sind bereits drei Wochen in Iran): *âlmânī hastam*, antworte ich: *And you?* (soviel Höflichkeit muß sein). *From Shiraz*, meint er mit schiefem Griensen.

Wir laufen weiter. Pause. Er schaut mich unsicher an. Er nuschelt leise etwas. Ich sage: *Pardon?* Weitere Schritte. Ich verstehe ein gewispertes *You and I?* (Ähhhh????) Ich wiederhole:*Sorry, I don't understand you*. Wieder entsteht ein kurzes Schweigen. Er holt Luft und  sagt immmernoch sehr leise (möglicherweise?): *I love you*. (Bitte???) *What?* Ich schaue ihn irritiert an: *I REALLY DON'T UNDERSTAND YOU* dabei betone ich jedes einzelne Wort, wie man das eben so macht, wenn man Gehör wie Verstand seines Gegenübers anzweifelt.

Er nimmt erkennbar inneren Anlauf: *You and I... Sex?* Ich lache. *Ernsthaft?* frage ich ihn und lache noch mehr. (Tssss, WITZIG!!!). Ich bin richtig erheitert: *Vermutlich jetzt gleich?* hake ich nach und kichere in bester Stimmung. Seine Wangen verfärben sich leicht, und er beschließt, dass nun der Zeitpunkt zum Abgang gekommen ist. Nicht ohne höfliche Verabschiedung: *Goodbye, Misses* sagt er, bevor er mich verläßt und mit ausladenden Schritten die Straße überquert. Ich bin immernoch erheitert, als ich bei unserem Pistazienhändler angelangt bin...

Ich sollte hinzufügen, dass ich selbst unter einem Schleier die Ausstrahlung einer Rakete habe - männerfressender Vamp total. Nicht. Genau dieses Wissen machte unser Intermezzo so lustig. Es ging gar nicht um mich. Es ging noch nicht einmal ums Abschleppen. Der Kleine wollte nur spielen. Der junge Perser wollte lediglich mal ausprobieren, wie das so geht mit der *sexuellen Freizügigkeit*, von der er so viel gehört hat und sich so gar nicht vorstellen kann - großgeworden, wie er nun mal ist, in einem Land, in denen die Geschlechter noch weit auseinander gehalten werden (bon, der Wandel der Zeit steht auch im Iran vor der Tür - Stichwort *Whatsapp*). Ich stammte offensichtlich von dort, wo sexuelle Monogamie bereits ausgerottet ist, bref, das Mekka für alle Testosteron geplagten Frischlinge. Und ich war lediglich ein Testlauf, ob ein Anhüsteln à la *Ähhhm-Hello-Sex* funktionieren könnte. Hätte ich ihm geantwortet: *What? Sex? Hell yeah! Where are we going!?* - ich verwette mein Hinterteil, das Jüngelchen wäre schreiend davon gerannt... 


Und Kinners, jetzt mal ehrlich, ist das nicht schön, wenn sich wegen derartigen Kinkerlitzchen keine Mißverständisse ergeben?



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